Über den Fotografen und das Projekt

Peter Lauritis aus StadtallendorfMein Name ist Peter Lauritis. Ich bin 1982 geboren, verheiratet und stolzer Papa eines Sohnes. Seit 2005 beschäftige ich mich beruflich mit der digitalen Fotografie, welche die Bereiche Pressearbeit, Konzerte von internationalen Stars, Produkt- und Gebäudefotografie, Hochzeiten, Hochbilder, 360-Grad-Fotos, u.v.m. umfasst. In meinem kleinen "Fotostudio" biete ich meinen Kunden professionelle Fotoshootings zu günstigen Preisen.

Das Gigapixel-Projekt fand seinen Ursprung im Dezember 2009, als das größte Foto der Welt von Dresden veröffentlicht wurde. Ich war von den vielen Details dieses Fotos und der durchweg guten Schärfe im hohen Zoombereich sehr beeindruckt. Da ich selbst immer wieder neue Herausforderungen in der Fotografie suche, wagte ich den Versuch, ein vergleichbares Foto zu machen.

Nach einer kurzen Einarbeitungsphase in die Panorama-Fotografie überlegte ich, von welchem Ort sich ein Gigapixelfoto lohnen könnte. Schnell kam mir der Spiegelslustturm in Marburg in den Sinn, welcher eine einzigartige Sicht auf die Stadt Marburg bot. Am nächsten Tag (Dezember 2009) fuhr ich morgens zu diesem Turm, um mir einen Überblick über das Panorama zu verschaffen und stellte fest, dass die Wetterbedingungen im Dezember für dieses Vorhaben mehr als schlecht waren. Nach weiterer Überlegung kam ich auf die evangelische Stadtkirche in Stadtallendorf, welche eine tolle Sicht über Stadtallendorf und dazu noch ein besseres Sichtverhältnis bot. Zudem fand im Mai/Juni 2010 der Hessentag 2010 in Stadtallendorf statt, zu diesem Anlasse wollte ich das Foto fertigstellen und veröffentlichen.

Shooting

Stadtkirche Stadtallendorf
Als eines morgens (März 2010) die Wetterbedingungen in Stadtallendorf hervorragend waren, schnappte ich mir meine D300, das Sigma 50-500 mm Objektiv, mein Stativ und einen Kabelfernauslöser. Ich baute das Stativ und die Kamera auf dem Turm der Stadtkirche auf und fotografierte von Hand 4.534 Fotos. Die Besonderheit an diesem Tag war: Die Sonne strahlte, aber es waren -5 Grad Celsius und auf dem Turm ging sehr starker Wind, sodass meine Hände trotz Handschuhen fast abgefroren anfühlten.

Nach dem ersten Zusammensetzen der Fotos mit Autopano sah ich, dass ich viele Reihen nicht vollständig fotografiert hatte und zahlreiche Lücken vorhanden waren. Dazu kamen noch zahlreiche falsche Kameraeinstellungen, welche das Bild sehr fleckig und unrealistisch aussehen ließen.

Mir war klar, dass ich die Aktion erneut durchführen musste. Um die fehlenden Reihen zu vermeiden, hielt ich Ausschau nach einem Fotoroboter und einem Nodalpunktadapter. Nachdem diese kurzfristig geliefert wurden, unternahm ich kurze Tests und bereitete mich auf ein erneuten Versuch vor. Mit vielen neuen Erkenntnissen und gut ausgewählter Ausrüstung ging es im April 2010 erneut auf den Turm. Diesmal wurde das Shooting noch während des Aufbauens abgebrochen, da es anfing zu regnen und die Lichtverhältnisse auf einen Schlag mißerabel waren.

Im Mai 2010 unterstützte mich mein bester Freund Damiano Klug. Die Wettervorhersage war hervorragend und wir total motiviert, das größte Foto der Welt zu fotografieren. Wir schnappten uns die gesamte Fotoausrüstung, bauten alles auf und fotografierten aufgrund der baulichen Vorgaben der Kirche insgesamt drei Blöcke á 100 Spalten und 20 Reihen. Nach einem 7,5 stündigen Shooting und nur kurzen Wolkeneinbrüchen waren wir der Meinung alles fotografiert zu haben. Mit Sonnenbrand und heiß gelaufener Fotoausrüstung verließen wir den Turm der Stadtallendorfer Stadtkirche, um die Fotos gespannt am PC zu begutachten.

Nachdem alle Fotos in Autopano geladen waren, fand ich erneut zahlreiche Fehler im Panorama. Diesmal setzte ich mich 2 Tage an den PC, um die fehlenden Kontrollpunkte manuell hinzuzufügen. Da mein PC mit einem Intel Quad Core 2,8 Ghz, NVIDIA GTX8800 und 8 GB RAM extrem lange für das hinzufügen der Kontrollpunkte brauchte und später mehrmals abstürzte, entschied ich mich, einen Hochleistungscomputer zu kaufen, der mit dieser gewaltigen Datenmenge zurecht kommen würde.

Ich investierte 4.500 € in einen neuen PC mit dem Intel i7 960 3,2 Ghz, 2x Grafikkarte NVIDIA 480 GTX 1,5 Ghz SLI, 24 GB RAM 9-9-9-20 und insgesamt 4,8 TB Festplatten mit 10.000 und 7.200 Umdrehungen. Der neue PC kann mit dieser Datenmenge sehr gut arbeiten und ist um ein vielfaches schneller als sein Vorgänger. Allerdings war das Foto immer noch nicht vollkommen und diese Aktion wurde somit nie zum Abschluss gebracht. Eigentlich sehr schade, denn vom Turm der Stadtkirche konnte man bei 750 mm Brennweite sogar die festgetretenen Kaugummis auf der Straße erkennen.

Nun erarbeitete ich weitere Problemlösungen für alle bekannten, fehlerhaften Faktoren und entschied mich letztendlich doch für den Spiegelslustturm in Marburg. Nach einem kurzen Telefonat mit Herrn Götzfried vom Spiegelslustturm, der mir außerhalb der Öffnungszeiten Zutritt zum Turm versprach, fuhr ich nach Marburg, um mir erneut ein Bild der Möglichkeit zu verschaffen. Die Aussicht war vergleichsweise schlecht wie im Dezember 2009, sodass ich mich für das Fotografieren am frühen Morgen entschied.

Am nächsten Morgen um 7:00 Uhr packte ich meine Ausrüstung und fuhr nach Marburg. Um 8:00 Uhr traf ich einen Haustechniker an, der mir Zutritt zum Turm verschaffte. Ich baute innerhalb von 30 Minuten meine Ausrüstung penibelst auf, um von Beginn an mögliche Fehler zu vermeiden. Dann fokusierte ich Reihe für Reihe die Stadt, aktivierte den Fotoroboter, speicherte die Fotos zwischendurch von der Speicherkarte auf den Laptop und überprüfte meine Ergebnisse. Aufgrund der hervorragenden Lichtverhältnisse fotografierte ich mit einer Verschlusszeit von 1/400 Sekunde und Blende f/20. Dies garantierte eine sehr hohe Tiefenschärfe und verwacklungsfreie Fotos trotz der schnellen Fotoserie von 1 Foto pro 2 Sekunden.
Nach 3:29 Stunden war das Shooting bereits abgeschlossen und ich packte meine Ausrüstung ein. Auf der Heimfahrt hoffte ich auf ein fehlerfreies Shooting und konnte es kaum abwarten, die Fotos in Autopano zu laden.

Nach dem Laden in das Programm Autopano, war ich sehr überrascht! Das Foto war optisch zu 100% in Waage und es waren nur sehr wenige Fotos falsch angeordnet. Nach zwei Tagen manuellem Stitching (zusammenfügen der Fotos) musste ich das Foto nur noch Beschneiden. Aufgrund der exakten, digitalen Nivellierung der Kamera fiel der Beschnitt so gering aus, dass ich trotz der "geringen" 12,3 Megapixel und einer minimalen Überlappung von ca. 15-20% rund 47 Gigapixel erreicht habe.


Daten / Fakten

Kamera Nikon D300
Video muss manuell gestartet werden!
Objektiv Sigma 50 - 500 mm
Blende f/20
Verschlusszeit 1/400 Sek.
Iso 800
Datenformat RAW
Speicherkarten 2x 16 GB mit 60 MB/s im Wechsel
Reihen 25
Spalten 200
Dauer 3:27 Stunden
PC-Hardware Intel Core i7 960 mit 3,2 GHz
24 Gb Ram 9-9-9-20
Windows 7 Professional 64-Bit
2x NVIDIA GeForce GTX 480 1,5 GB RAM SLI
Festplatten mit 4,8 TB (10.000 + 7.200 U/Min.)
2x Hannspree 28" Zoll Bildschirme

Das Stitching

Für das Stitchen der Fotos hatte ich das Programm Autopano der Firma Kolor verwendet. Nach dem Laden der Fotos und dem automatischen Suchen der Kontrollpunkte ergab sich ein fast perfektes Panoramafoto. Ich war überwältigt! Die Reihen waren optisch zu 100% in Waage und nur wenige Fotos wurden an falschen Stellen erkannt. Aufgrund der großen Datenmenge war das manuelle Stitchen eine Geduldsprobe. Das Verschieben, Drehen oder Verknüpfen eines Fotos dauerte etwa 3-5 Minuten. Aus diesem Grund habe ich drei lange Tage für die Bearbeitung weniger Fehler gebraucht. Mein Tipp: Während dem gesamten Stitching ca. 80 Folgen der Lieblingsserie auf DVD schauen. Nachdem alle Fotos richtig verknüpft waren musste ich nur noch den abschießenden Beschnitt durchführen. Die Restgröße des Fotos lag dann bei einer finalen Größe von 489.545 x 97.389 Pixeln. WOW!

Das Rendern

Der letzte Schritt für das Gigapixel-Projekt war das Rendern. Da mein „normaler“ PC schon bei kleineren Projekten gestreikt hat, war ich froh über die Anschaffung des leistungsstärkeren PC´s. Kurz vor der Bearbeitung des Panoramafotos gab es von "Kolor" ein großes Update für Autopano auf die Version 2.5, welches die gesamte Renderzeit zirka um den Faktor 1,5 beschleunigte und zudem noch sehr stabil arbeitete. Danke "Kolor"!

Die Renderzeit betrug rund 69 Stunden bei einer Dateigröße von 177 GB im PSB-Format. Da Photoshop nur 300.000 x 300.000 Pixel "öffnen" und verarbeiten kann, gab es natürlich auch keine Nachbearbeitung und das Foto wurde direkt in viele kleine Dateien zerteilt.

 

Angestrebtes Ziel und Ergebnis des Projekts
Die Ziele dieses Projekts waren: ein vergleichbares Foto wie das von Dresden zu "schießen", Spaß an einem neuen Projekt zu haben und weitere Erfahrungen in Sachen Fotografie zu sammeln. Was die Größe des Bildes betrifft, habe ich mein Ziel erreicht, die erwünschte Bildqualität (im Bezug auf den Übergang am Horizont) könnte nach meiner eigenen Einschätzung allerdings noch besser sein. Leider gibt es vom Himmel zum Horizont eine zu harte Übergangskante (woher diese kommt kann ich mir immer noch nicht erklären). In der Bildvorschau von Autopano war der Übergang fließend und weich. Erst nach dem Rendern gab es diese harte Kante. Und NEIN, der Himmel ist nicht nachträglich hinzugefügt!

Der Fahnenmast wird leider sehr schlecht dargestellt. Da dieser absolut nebensächlich ist, habe ich keine weiteren Anstrengungen unternommen, um ihn besser darstellen zu können.

Trotz alledem bin ich recht Stolz auf das Gesamtergebnis. Auf die Gesamtgröße gesehen müsste dieses Foto derzeit das größte der Welt, kurz gefolgt vom "Dubai-Foto" sein, oder!? (Stand: 20.07.2010) In Sachen Bildqualität ist Paris meiner Meinung nach noch Spitzenreiter!

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